Welcher Asylantrag wird genehmigt, welcher nicht? Um das herauszufinden, muss jeder Asylbewerber in einer persönlichen Anhörung seine Fluchtgründe darlegen. Mit Kollegin Sabine Sütterlin-Waack war ich bei einer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, um das einmal selbst mitzuerleben. Wie man sehen kann, war der Anhörungsraum ähnlich spektakulär wie eine KFZ-Zulassungsstelle.

Neben dem in diesem Fall afghanischen Asylbewerber sind bei der mehrstündigen Befragung sein Bevollmächtigter, ein Dolmetscher sowie der Entscheider des Bundesamts anwesend. Im ersten Teil der Anhörung geht es um allgemeine Fragen, die dem Abgleich der vorhandenen Dokumente dienen: Wie ist der eigene Name und wie heißen die Kinder? Sind Pass/Papiere vorhanden? Welchem Stamm, welcher Volksgruppe ist der Asylbewerber angehörig? Wo hat er bis wann gewohnt und wann ist er umgezogen? Auf welchem Weg ist er nach Deutschland gekommen? Welche Schul- und Berufsausbildung ist vorhanden?

In unserem Fall dauerte allein dieser Teil rund anderthalb Stunden. Im Anschluss daran musste der Asylbewerber seine persönlichen Fluchtgründe darlegen. Alle Fragen und Antworten wurden von der Entscheiderin mit einer Spracherkennungssoftware dokumentiert. Bei Unklarheiten oder vermeintlichen Widersprüchen wurde nachgehakt. Ob der Antrag bewilligt wird, stellt sich erst nach einer intensiven Prüfung heraus. Zunächst müssen die Aussagen und die eingereichten Dokumente miteinander abgeglichen werden. Die Entscheidung wird dem Asylbewerber schriftlich mitgeteilt und enthält eine Begründung sowie eine Rechtshilfebelehrung. Für den Fall, dass kein Asyl gewährt wird, enthält das Schreiben eine Aufforderung zur Ausreise und eine Abschiebungsandrohung.

Vor der Anhörung sprachen wir mit dem Leiter der Außenstelle und der Vizepräsidentin des Bundesamts über die Fortschritte bei der Bearbeitungszeit von Anträgen. Seit Jahresbeginn bis Ende April wurden fast 200.000 Entscheidungen gefällt (eine Steigerung um 150% im Vergleich zum Vorjahr).

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